Schulwettbewerb "Gesund macht Schule"
Im Rahmen von „Gesund macht Schule“ führten alle 1. Klassen mit Unterstützung der Eltern im letzten Schuljahr ein Zahnprojekt durch. Milchzähne/bleibende Zähne, richtige Zahnpflege, zahngesunde Ernährung bildeten Schwerpunkte.
In der Klasse E3/E4 wurde das Thema in einer Zahnwerkstatt mit Hilfe von Eltern (z.B. Materialbereitstellung, Hospitationen) vertieft. Die Schüler waren begeistert bei der Sache und fanden durch handelnden Umgang und intensiven Austausch untereinander auch bei schwierigen Aufgaben Lösungswege. Alles wurde durch Fotos dokumentiert.
Der Erfolg des Zahnprojektes bewog uns am Schulwettbewerb der Ärztekammer Nordrhein und der AOK Rheinland teilzunehmen.
Die eingereichten Schülerarbeiten, Fotos, Anschauungsmaterialien und die intensive Elternarbeit beeindruckten die Jury von Ärztekammer und AOK und so gehörten wir zu den Gewinnern des Schulwettbewerbs 2006.
24 Projekte wurden eingereicht, und wir erzielten den 4. Platz. Die Übergabe der Urkunde und eines Preisgeldes in Höhe von 100 Euro fand am 15.11.06 in den Räumen der AOK Köln statt.
Ausgangslage
Einen Schwerpunkt unserer Gesundheitserziehung bildet seit Jahren eine ausgewogene und gesunde Ernährung.
Umso erstaunter waren wir, dass bei der jährlich durchgeführten schulzahnärztlichen Untersuchung festgestellt wurde, dass viele Kinder einer zahnärztlichen Behandlung bedurften.
Kranke Zähne haben Folgen für den ganzen Körper. Unbehandelte Karies oder Parodontitis bieten Bakterien die Grundlage, sich im ganzen Körper auszubreiten. Die Anfälligkeit für Herzkreislauferkrankungen und Atemwegsinfekte steigt. Fehlende Mundhygiene fördert Mundgeruch und Pilzerkrankungen. Fehlverzahnungen führen zu Überlastungen des Kiefergelenkes und evtl. Tinnitus. Können Zähne ihre Hauptfunktion, die Nahrungsaufnahme, nicht mehr zufrieden stellend ausführen, ändern sich die Ernährungsgewohnheiten und Magen- und Darmprobleme folgen.
Außerdem stellten wir fest, dass mehrere Kinder des 1. Schuljahres Schwierigkeiten bei der deutlichen Artikulation der Buchstaben (Laute) hatten, was durch eine Zahnfehlstellung hervorgerufen werden kann.
Da gerade in einem 1. Schuljahr die Schüler durch den Zahnwechsel direkt betroffen sind, hielten wir es für sinnvoll, hier anzusetzen und das Thema Zahngesundheit im 1. Schuljahr zu einem Schwerpunktthema zu machen.
Projektziele
Im Vordergrund standen dabei:
1. das Wissen um die Vorgänge im Mund (Milchzähne - bleibende Zähne)
2. das Üben des richtigen Zähneputzens
3. das Wissen, dass Zähneputzen nach den Mahlzeiten wichtig ist
4. das Bewusstmachen, dass Süßigkeiten zwischendurch den Zähnen noch mehr schaden
5. das Wissen, dass regelmäßige Zahnarztbesuche helfen und nicht wehtun.
Projektbeschreibung
Angeregt durch den Arbeitskreis „Gesund macht Schule“ haben wir Kontakt zum Schulzahnärztlichen Dienst des Gesundheitsamtes aufgenommen. Hier stießen wir auf offene Ohren. Zwei Mitarbeiterinnen waren gerne bereit, uns im Gesundheitsamt die Medien vorzustellen, die den Kindern viele Vorgänge anschaulich und verständlich nahe bringen können. Danach legten wir Termine für einen Zahnprojekttag in der Schule fest.
Mit großem Interesse führten die Schwanenschüler unter Anleitung der Mitarbeiter eigenständig Versuche durch.
Darüber hinaus bot der Zahnarzt Herr Dr. Schöll an, auf einem Elternabend Gefahren und Auswirkungen einer nachlässigen Zahnpflege anhand von Dias zu erläutern. Angeregt durch zum Teil abschreckende Beispiele fand im Anschluss an den Vortrag noch ein intensiver Austausch im Klassenraum statt. Hier wurde den Eltern erklärt, wie das Thema in Form einer Werkstattarbeit in den nächsten Wochen aufgearbeitet werden sollte. Es wurde um praktische und theoretische Unterstützung gebeten.
Die Eltern zeigten sich aufgeschlossen und förderten den Unterricht durch die Bereitstellung von Gipsabdrücken, Backen- und Schneidezähnen von Schwein und Rind, Zahnputzuhren, Zahnspiegeln und zusätzlichem Anschauungsmaterial. Außerdem fiel es Kindern und Eltern leichter, über die richtige Zahnpflege ins Gespräch zu kommen.
Die für vier Wochen angesetzte Werkstattarbeit ist in der beigefügten Mappe dokumentiert. Die beigefügten Fotos vermitteln einen Eindruck wie ernsthaft und interessiert die verschiedenen Aufgaben bearbeitet wurden.
Werkstattarbeit
Jedes 1. Schuljahr führte im Monat März (ca. 4 Wochen) eine „Zahnwerkstatt“ durch.
20 Stationen waren im Klassenraum aufgebaut. An jeder Station gab es Arbeitskarten, auf denen die jeweilige Aufgabe beschrieben war, und es gab einen Hinweis, ob die Aufgabe allein, in Partnerarbeit oder in Gruppenarbeit zu erledigen war. Es gab 10 Pflicht- und 10 Wahl(Kronen)-Aufgaben. Von 26 Kindern haben 14 Kinder alle Pflichtaufgaben vollständig erledigt. Acht weitere Kinder erledigten 9 Pflichtaufgaben und die restlichen fünf 4 bzw. 7 Pflichtaufgaben. Geht man von der Gesamtzahl der erledigten Aufgaben aus, so erledigten:
10 Kinder 15 und mehr Aufgaben
12 Kinder 10 – 14 Aufgaben
4 Kinder weniger als 10 Aufgaben
Ein tolles Ergebnis, das in selbständiger Arbeit erreicht wurde. Die Kontrolle erfolgte durch die Mitschüler (Experten), durch Lösungsblätter oder durch den Lehrer. Am Anfang oder am Ende der Werkstattstunden fand eine Gesprächsrunde statt, in der jeder sagte, was er erledigt hatte und welche Schwierigkeiten es gegeben hatte. Jeweils mittwochs konnten Eltern am Unterricht teilnehmen und Aufgabenstellungen und Arbeitsweisen kennen lernen. Gern wurde dieses Angebot angenommen und jeweils von fünf bis acht Eltern genutzt. Sie unterstützten die Kinder und lernten selber. Daneben gab es noch Einzelstunden, die einige Sachverhalte im Frontal- bzw. Gruppenunterricht klärten.
Ergebnisse – Lernerfolg
Die Nachhaltigkeit der „Zahnwerkstatt“ lässt sich nicht unmittelbar überprüfen. Wir gehen davon aus, mit der intensiven Behandlung dieses Themas im 1. Schuljahr eine Grundlage gebildet zu haben, die für das Thema „Zahngesundheit“ sensibilisiert. Immer wieder kommen Kinder und teilen stolz ihre Zahnveränderungen bzw. –besonderheiten mit. Das Thema ist also nicht abgeschlossen und wird in Einzelgesprächen immer wieder aufgegriffen und vertieft. Poster und Anschauungstafeln hängen nach wie vor in der Klasse und werden auch immer mal wieder interessiert betrachtet.
Wir hoffen, mit der intensiven Behandlung der Zahngesundheit das Bewusstsein für die Wichtigkeit der Zahnpflege geschärft zu haben und langfristig eine Verbesserung der Zahngesundheit zu erreichen.
Außerdem dient dieses Thema vorbereitend zu weiteren Themenbereichen, die sich mit dem menschlichen Körper beschäftigen. Vorgesehen ist, zu Beginn des 2. Schuljahres mit dem Weg der Nahrung fortzufahren.
Elternarbeit
Im Rahmen von „Gesund macht Schule“ wurde das Thema „Zahngesundheit“ bereits auf dem 1. Elternabend (8.9.05) der Erstklässler im Schuljahr 2005/06 angesprochen. Die Eltern wurden gebeten, den Kindern ein ausgewogenes Schulfrühstück (Körnerbrot, Obst/Gemüse, Milchprodukt) mitzugeben. Es wurde vereinbart, auf süßen Brotaufstrich zu verzichten und Süßigkeiten nur zu besonderen Gelegenheiten (z.B. Geburtstag) mitzugeben. Außerdem wurde ausführlich über den hohen Stellenwert des Apfels als „Zahnbürste der Natur“ gesprochen. Da es im Rahmen des Unterrichts nicht möglich ist, dass sich alle Kinder (29 Schwanenschüler) nach dem Frühstück die Zähne putzen, leistet ein Apfel zum Abschluss wertvolle Dienste.
Die Vereinbarungen wurden zu ca. 70 % eingehalten. Nach einigen Wochen wurde das Thema „Apfel“ im Unterricht intensiv behandelt. Hausaufgaben wurden so gestellt, dass Eltern und Kinder ins Gespräch kommen mussten. Der „Apfelkonsum“ erhöhte sich und hat bis heute angehalten. 80 % der Kinder haben jeden Tag Apfelstücke dabei, die am Ende des Schulfrühstücks gegessen werden.
Am 2. Elternabend (22.2.06) stand die „Zahngesundheit“ im Mittelpunkt. Eine Mitarbeiterin des Schulzahnärztlichen Dienstes stellte verschiedene Materialien vor, die den Kindern beim Zahnprojekttag die Wichtigkeit einer „richtigen“ Zahnpflege verdeutlichen sollten. Der Zahnarzt Dr. Schöll machte durch einen ausgezeichnet moderierten Diavortrag, der durch persönliche Erlebnis ergänzt wurde, deutlich, dass auch Milchzähne der intensiven Pflege bedürfen.
Die anwesenden Eltern (ca. 50 % von 87 Schwanenschülern) hörten aufmerksam zu, stellten interessiert Fragen und betrachteten die ausgestellten Medien. So eingestimmt, entstand im Klassenraum eine intensive Diskussion, in der Eltern Erlebnisse mit ihren Kindern wiedergaben, Probleme aufzeigten oder Lösungsvorschläge machten. Außerdem gab es unterstützende Unterrichtshinweise. Eltern, die Bezug zu einem Metzger hatten, versprachen, sich um Tierzähne zu kümmern. Eine andere Mutter, die bei einem Zahnarzt arbeitete, konnte Mundspiegel und Zahnputzuhren besorgen. Durch Elternbeziehungen zu einem Dentallabor wurden uns zusätzliche Plakate, Laminate und vergrößerte Zahnmodelle zur Verfügung gestellt.
Nach dieser Vorarbeit war ich in der Lage, eine „Zahnwerkstatt“ zusammenzustellen, die meiner Meinung nach alle Bedürfnisse und Zielvorgaben abdeckte. Erschwert wurde die Aufgabenauswahl dadurch, dass es sich bei der Zielgruppe um Schwanenschüler handelte, die gerade sieben Monate die Schule besuchten und deren Lesefähigkeit noch im Anfangsstadium steckte.
Ab dem 15. März waren die Eltern jeweils mittwochs eingeladen, 2 Stunden am Werkstattunterricht teilzunehmen. Jeweils 5 – 8 Eltern nutzten die Gelegenheit, zu helfen, zu lernen und zu unterstützen. Bei der überwiegenden Zahl der Eltern sind beide Partner berufstätig. Umso erfreulicher war es, dass von 28 Elternpaaren ca. 2/3 die Möglichkeit nutzten. Auch Väter hatten sich extra frei genommen, um zu sehen, wie das Thema didaktisch und methodisch aufgearbeitet wurde. Immer wieder brachten die Kinder dann noch Materialien mit, die ihnen die Eltern an die Hand gegeben hatten wie Gipsabdrücke des eigenen Gebisses oder die ausgefallenen Zähne.
Nach Abschluss der knapp vierwöchigen Werkstattarbeit bekam jedes Kind seinen Werkstatthefter mit einer Bemerkung versehen zurück. (Außerdem wurde die geleistete Arbeit je nach Umfang „bezahlt“ – es gab Hausaufgabengutscheine, Tierkarten, Stundenpläne und Aufkleber).
Die Eltern konnten so den Umfang des Themas noch mal nachvollziehen. Gemeinsam mit den Kindern wurde der Hefter angeschaut und besprochen. Mit ihrer Unterschrift gaben die Eltern Rückmeldung.
Für die im nächsten Schuljahr vorgesehenen Themen „Ernährung“ und „Weg der Nahrung“ wurde für Eltern und Schule eine Grundlage gebildet, die es ermöglicht, gemeinsam der „gesunden Schule“ Rechnung zu tragen. Nur in Zusammenarbeit mit Eltern ist es möglich, Kindern einen „gesunden Weg“ zu weisen.
Marita Jendrischewski







